87. Reisetag – Donnerstag, 09.03.2023 – Seetag
Ein Seetag wie heute ist für uns oft ereignislos, während auf dem Schiff der Bär los ist. Heute Mittag gab es in der Kopernikus-Bar den „MS ARTANIA-Eiswagen“, später in Harry's Bar den Fototermin für den Handshake mit dem Kapitän und am Abend das Gala-Dinner. (Der “Kalbsrücken am Stück gebraten“ schmeckte übrigens hervorragend.)
Wir allerdings bloggen an solchen Tagen nur ein wenig, lesen in einer ruhigen Ecke, gehen Kaffeetrinken und spielen Scrabble in der Kopernikus-Bar, alles nicht besonders geeignet, groß im Blog breitgetreten zu werden.
Inspiriert durch den „Employee of the Month”, der Mitarbeiter des Monats, der jeden Monat von der Schiffsleitung gekürt wird, haben wir uns überlegt, den „Mittarbeiter des Seetags“ vorzustellen.
Ich werde an dem ein oder anderen Seetag ein Crewmitglied im Blog näher vorstellen. Etwa jemanden, von dem wir besonders gut betreut werden oder den wir etwas näher kennen.
Fangen wir heute mit unserem Kabinensteward Benjamin an. Er ist seit Beginn der Reise in Savona für unsere Kabine zuständig.
Er macht normalerweise zweimal am Tag, morgens und abends, in der Kabine „Klar Schiff“. Aber auch staubsaugen auf dem Flur, polieren der Handläufe dort und noch dies und das gehört zu seinen Aufgaben.
Beim „Klar Schiff machen“ in den Kabinen muss er ein erhebliches Tempo an den Tag legen, um sein Pensum zu schaffen. Wir hatten aber noch nie Beanstandungen, dass etwas nicht ordentlich gemacht wurde.
Tagsüber richtet er normalerweise die Kabine so her, dass aus den Betten Sitzcouchen mit Rücken- und Seitenpolster werden. Am Abend muss er das ganze Konstrukt wieder zurückbauen und zusehen, wo er die unförmigen Polster in der Kabine verstaut.
In unserer Kabine gilt jedoch die Regel „Leave the bed open“, das heißt, der Umbau Bett zu Couch und Couch zu Bett entfällt. Bett bleibt ganz einfach Bett.
Badezimmer mit Dusche und WC werden morgens und abends auf Hochglanz gebracht, Handtücher ausgetauscht und am Abend wird noch ein Betthupferl auf jedes Bett gelegt.
Kleidungsstücke lassen wir tunlichst nicht auf den Betten verstreut liegen, sonst würde Benjamin sie selbstverständlich sauber zusammenlegen, aber wir finden, das ist unsere Aufgabe.
Was uns sehr gut gefällt, ist, dass jedes Mal, wenn wir vom Frühstück zurückkommen, die Kabine bereits fertig gemacht ist.
Für unsere Kabine haben wir irgendwann einen abgespeckten „Dienstplan“ eingeführt, nämlich derart, dass Benjamin abends in der Kabine bei uns nichts mehr tun muss, auch auf die Gefahr hin, dass wir dadurch unser Betthupferl nicht erhalten.
Aber Benjamin achtet darauf, dass er uns abfängt und uns die allabendlichen 2 Täfelchen Schokolade persönlich überreicht.

Die Kabinenwand ist magnetisch, was unserer Magnetsammlung sehr zu Gute kommt.
Die roten Pfeile deuten auf die Magnete von Benjamin.
Dass er bei uns mehr als nur seinen Job macht, zeigt folgende sehr nette Geste. Als Doris vor einigen Tagen ihren 70. Geburtstag (nicht) feierte, überreichte er ihr 2 Magnete von den Philippinen, seiner Heimat.
88. Reisetag – Freitag, 10.03.2023 – Seetag
Als heutigen Mitarbeiter des Seetags nominiere ich das gesamte Service Team um Florante Batul im Lido.
Ihr Reich ist die vordere Hälfte des linken Flügels des Buffet-Restaurants. Sobald man, nachdem man sich am Eingang die Hände desinfiziert hat, den Raum betritt, wird man sofort von Florante gesichtet. Er hat den Überblick, ob in seinem Revier noch ein Tisch frei ist. Falls nicht, sucht er einen Tisch aus, von dem er meint, dass die Tischnachbarn „passen“ könnten und meist liegt er richtig.
Sein Team besteht aus zwei weiteren Kellnern und einem Getränkesteward.
Florante, er ist auf den Philippinen zu Hause, ist ein sogenannter 1. Kellner, genau wie sein Teamkollege Yefrin aus Honduras. Unterstützt werden die Beiden durch den 2. Kellner Jomar. Der Getränkesteward Gabriel stammt ebenfalls von den Philippinen.
Florante ist uns schon bei vergangenen Kreuzfahrten positiv aufgefallen. Er hat einen 360°-Rundumblick und sieht alles und zwar „just in time“. Er sieht, wer gerade das Restaurant betritt, wessen Glas gerade leer geworden ist, wo ein Teller abzuräumen ist. Er sieht, wer von „seinen Kunden“ gerade vom Buffet kommt, übernimmt den gefüllten Teller und trägt ihn an den Tisch.
Falls er dennoch nicht alles gleichzeitig erledigen kann, schickt er einen seiner Leute, die auch alle ein gutes Auge haben, aber als Teamchef sieht er manchmal ein bisschen mehr.
Yefrin ist der Charmeur der Truppe, schäkert gerne mit den Leuten, ohne dass es aufdringlich wirkt.
Jomar, in seiner Funktion als sogenannter 2. Kellner, unterstützt seine Kollegen und passt ausgezeichnet in dieses Dream-Team.
Der Getränkesteward ist eigentlich für alle Getränke zuständig, sowohl die kostenlosen Tischweine, Säfte und Wasser, als auch für die Getränke aus der Getränkekarte, wie Bier, Cola, Spirituosen etc. Aber wenn er gerade Bier zapfen geht, kann er kein Wasser oder Saft ausschenken. Das übernimmt dann das Kellnerteam. Kein Gast sitzt lange vor einem leeren Glas.
89. Reisetag – Samstag, 11.03.2023 – Luanda / Angola
Luanda ist die Hauptstadt von Angola und gehört mit 9 Millionen Einwohner zu den größten Städten Afrikas nach Kinshasa, Lagos und Kairo.
Ein großer Teil der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, obwohl Angola reich an Bodenschätzen ist, insbesondere Erdöl und Diamanten. Aber auf Grund der allgegenwärtigen Korruption versickern die Milliarden in dunklen Kanälen.
Auch unter den Nachwirkungen des langen Bürgerkrieg von 1975 -2002 leiden Wirtschaft und Landwirtschaft noch heute. Viele Felder sind immer noch vermint, sodass sie landwirtschaftlich nicht genutzt werden können.
Der Bürgerkrieg nahm zeitweise den Charakter eines Stellvertreterkrieges zwischen dem Ostblock (einschließlich Kubas) und den Westmächten (einschließlich des Apartheidregimes in Südafrika) an.

Bevor das Schiff zum Landgang freigegeben wird, müssen erst mal die Börden ihres Amtes walten.
Hierzu kommen sie gerne und zahlreich an Bord. Nach der Freigabe gibt's für sie ein Frühstück im Restaurant.
Luanda war für die ARTANIA eine Premiere, denn sie lief diesen Hafen erstmalig an. Angola gehört nicht zu den üblichen Kreuzfahrtzielen.
Für den heutigen Landgang hatten wir uns einen Plan zurechtgelegt: Zunächst wollten wir mit dem Taxi zur vier Kilometer entfernten Festung São Miguel von Luanda (Fortaleza de São Miguel) fahren. Die alte portugiesische Festung aus dem Jahre 1576 wurde vollständig restauriert und fungiert heute als Militärmuseum. Jetzt sind Forts im Allgemeinen und Militärmuseen im Besonderen nicht unbedingt auf Platz eins unserer Interessenliste, aber dieses touristische Ziel wird als absolutes Muss angeboten und dem wollten wir uns als wohlerzogene Touris nicht entziehen.
Von der Festung wollten wir uns dann zu Fuß zurück zum Hafen schlagen, um noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit auf dem Rückweg mitzunehmen.

Da wir oft auf Reede lagen,
hatte der Anker etwas gelitten.
Als wir unseren Landgang antraten, waren die Verschönerungsarbeiten bereits in vollem Gange.
Der Weg aus dem Hafengelände war mit 500 Metern bei 28° (im Schatten) und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit die erste Herausforderung (es gab keinen Schatten). Und mit dem Taxi war das auch so eine Sache – es gab weit und breit keine.
Vor einem Hotel gegenüber dem Hafenausgang standen einige Phoenix-Gäste, die anscheinend auf Taxen warteten. Ein Polizist war fleißig am telefonieren, um eines der seltenen Taxis herbeizulocken und das schon seit einer halben Stunde, allerdings bisher erfolglos, wie unsere Mitreisenden zu berichten wussten.
Doris und ich sahen ein, dass es wenig Sinn machte, auf eine Fahrgelegenheit zu warten und machten uns zu Fuß auf den Weg Richtung Festung.
Auf dem Weg dorthin besuchten wir eine kleine Kirche, deren Besonderheit die großen blauen Kachelbilder im Innenraum sind, wie man sie häufig auch in Portugal an und in vielen Gebäuden findet.
Angola war ja bis 1975 portugiesische Kolonie, was sich unter anderem in der Amtssprache Portugiesisch niederschlägt.
Auf unserem Weg kamen wir automatisch an dem prachtvollen rosa Gebäude der angolanischen Nationalbank, (Banco Nacional de Angola) vorbei.

Das Gebäude der Banco Nacional de Angola ist prächtig.
Die Slums, die sogenannten Musseques, liegen nicht so zentral.
Die Festung selbst lag auf einem Hügel, der erst noch schweißtreibend erklommen werden musste. Der Eingang war einem sozialistischen Stern nachempfunden und auch die Gemälde an der Mauer erinnerten stark an die kommunistisch-sozialistische Propaganda-Kunst.
Die Erklärung liegt wohl darin, dass die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola), eine Freiheitsbewegung während des Bürgerkriegs, von der Sowjetunion und Kuba unterstützt wurde. Die MPLA ist seit 1975 als Partei an der Macht.
Um in die Festung zu gelangen, mussten wir Eintritt zahlen, was bei einem Eintrittspreis von 269 Kwanza (KZ) pro Person – umgerechnet 0,50 € oder 0,53 US-$ nicht teuer erscheint. Jetzt hatten wir leider keine Kwanza. Man konnte aber auch mit Kreditkarte bezahlen, allerdings nicht mit VISA, sondern nur mit MasterCard. Als weitere Option gab es die Bezahlung in Dollar. Hier wurde jetzt großzügig gerundet, aber nicht nach unten, sondern nach oben. Es wurde auch nicht, wie man erwarten könnte, von 53 Cent auf einen Dollar aufgerundet, sondern sicherheitshalber gleich auf zwei. Zähneknirschend bezahlten wir das Verlangte.
Ob die 4 $, die wir abdrücken mussten, dann auch ordentlich verbucht worden sind?
Die handgeschrieben Eintrittskarten ohne Ticketnummer lassen da gewisse Zweifel offen.

... Statue der afrikanischen Königin Nzinga interessieren und nicht so sehr für uns Bleichgesichter.
Quelle: Wikipedia
Nach der Besichtigung der Kanonen, Militärfahrzeuge und dem Heben eines Geo-Caches stand der beschwerliche Rückweg bevor.
Zum Glück ging es erst mal wieder bergab, aber es lagen ja immer noch fast vier Kilometer entlang der Uferpromenade zum Hafen vor uns.
Am Fuße des Bergs, auf dem die Festung liegt, befindet sich ein modernes Hotel, das Continental. Doris kam auf die Idee, ob man dort nicht mal fragen könnte, ob sie ein Taxi besorgen könnten. Also rein ins klimatisierte Foyer und an der Rezeption gefragt. Anders als bei der Rezeption auf der ARTANIA, nahm man sich unseres Problems ernsthaft an. Der Rezeptionist, vornehm mit einem schwarzen Anzug bekleidet, rief einen weiteren Mitarbeiter herbei und diskutierte mit ihm ausführlich unser Anliegen. Sie versprachen, sich zu kümmern und würden uns Bescheid geben.
Wir setzten uns vor dem Hotel auf eine Bank, denn so verschwitzt wie wir waren und dazu die Kühlschranktemperaturen im Foyer wären der ideale Mix für eine erneute Erkältung gewesen.
Da wir nach 5 Minuten noch nichts gehört hatten, schaute ich durch die gläserne Eingangstür und sah, dass der Hotelmitarbeiter immer noch am Telefonhörer hing. Aber nach einigen Minuten kam der Rezeptionist zu uns nach draußen und erklärte, dass es ungefähr 10 Minuten dauern würde, dann käme ein Taxi und ob das für uns so in Ordnung wäre. Er bot uns an, im Foyer Platz zu nehmen, was wir aber dankend aus bereits erwähntem Grund ablehnten.
Aber wie lange dauern 10 angolanische Minuten? Wir konnten es kaum glauben, keine 10 Minuten und das Taxi war da. Der Rezeptionist eilte herbei, um bei der Vermittlung zu helfen. Und das war auch gut so, denn Fahrer sprach nur portugiesisch. Die Fahrt sollte 1000 Kwanza kosten, also knapp 2 US-$. Der Fahrer wollte aber keine US-Dollar. Auch hier halff der Rezeptionist, wir konnten im Hotel 5 Dollar zu einem absolut korrekten Kurs umtauschen. Wir bedankten uns für diesen freundlichen und perfekten Service, wo wir doch gar keine Hotelgäste waren und bestiegen mit 2.600 Kwanza in der Tasche das Taxi. Der Fahrer fuhr uns zum Hafen, wir zahlten ihm den Fahrpreis + Trinkgeld + eine Phoenix-ARTANIA-Umhängetasche, über die er sich sehr gefreut hat.
1.000 Kwanza hatten wir zurückbehalten, denn vor dem Hafenterminal hatten einige Händler ihre Souvenirstände aufgebaut und wir hielten noch schnell Ausschau nach einem Magneten.
Wir wurden fündig, aber der Händler verlangte 4 Dollar (= 2000 Kwanza). Wir boten ihm unsere 1000 Kwanza an, was ihn insofern erstaunte, dass ein Tourist mit einheimischer Währung aufwarten konnte. Dennoch war ihm das zu wenig. Als wir deshalb auf dem Absatz kehrt machten, wurde er anderen Sinnes und das Geschäft kam dann doch noch zustande.
Die 500 Meter vom Hafeneingang bis zum Schiff schafften wir dann auch noch. An unseren T-Shirts gab es keine trockene Stelle mehr. Also Klamotten vom Leib reißen, duschen und schon waren wir auf dem besten Weg der Regeneration.
Den weiteren Nachmittag und den Abend verbrachten wir in der gewohnten Art und Weise.
90. Reisetag – Sonntag, 12.03.2023 – Seetag
Am heutigen Seetag gab es außer der Äquatortaufe am Vormittag, einem BBQ parallel zum “normalen“ Abendessen in der Kopernikus-Bar und am Abend ein Open-Air-Kino-Event (Whitney Houston: I wanna dance with somebody) mit Popcorn an der Phoenix-Bar, nichts weiter über diesen Tag zu berichten.
Zeit genug also, um das kleine Team vorzustellen, dass uns jeden morgen im ARTANIA-Restaurant aufs Beste bedient.
Das Zweierteam besteht aus Her (spricht sich wie der deutsche “Herr“, allerdings mit rollendem “R“) und Yusuf.
Her und Florante (siehe 10.3.2023) sind übrigens befreundet und Nachbarn auf den Philippinen.
Her und Yusuf kennen unsere Vorlieben und Macken. So möchte z .B. Doris keinen lauwarmen Kaffee und ich lege Wert darauf, dass mein Tee mit kochendem Wasser aufgebrüht wird und nicht nur mit halbwegs warmem Wasser. Diese “Extras“ sind auf der ARTANIA nicht selbstverständlich, aber unserem Frühstücks-Team gelingt es mittlerweile, die Küche für unsere “Sonderwünsche“ zu sensibilisieren.
Als Yusuf einmal gesehen hat, wie sich Doris die blauen Weintrauben, die eher als Deko am Obstbuffet zu finden sind, zusammengesucht hat, brachte er uns unaufgefordert aus der Küche ein ganzes Schälchen davon an unseren Tisch und hat diesen Service seitdem zu unserer Freude beibehalten.
91. Reisetag – Montag, 13.03.2023 – São Tomé/São Tomé e Principe
Dass es einen afrikanischen Inselstaat mit Namen São Tomé e Príncipe gibt, war mir bisher völlig unbekannt. Dieser kleine Staat mit etwa 210.000 Einwohner besteht aus den beiden gleichnamigen Inseln São Tomé und Príncipe. Die Inseln liegen etwa 200 Kilometer vor der Westküste Afrikas etwas nördlich vom Äquator.
Heute stand der Besuch von São Tomé auf dem Routenplan. ARTANIA lag auf Reede und wir tenderten an Land, um zu erkunden, ob noch ein erschwingliches Taxi für uns zu haben sei. In der Landgangsinformation war zu lesen, dass „einige Taxen“ am Hafen verfügbar seien. Da aber heute Phoenix keine organisierten Ausflüge angeboten hatte, könnte es ja durchaus einen Run auf die Taxis geben.
An der Tenderpier standen einige Mini-Vans, die eine 2-stündige Rundfahrt für 50€ pro Person anboten. Das war den meisten Leute zu teuer und sie zogen es vor, einfach nur zu Fuß den nahegelegenen Ort zu erkunden.
Etwas abseits stand aber auch ein gelbes Taxi, ein uralter Toyota Corolla, der schon bessere Tage gesehen hatte, mit gesprungener Windschutzscheibe, fehlenden Sicherheitsgurten und Pappkartons statt Fußmatten im Innenraum.
Wir wollten uns zur Blauen Lagune (Lagoa Azul) hin und wieder zurückfahren lassen.
Der Taxifahrer verlangte zunächst 50 Euro für uns beide zusammen, aber da wir nur Dollars eingesteckt hatten, verhandelten wir auf Dollar-Basis weiter und einigten uns auf schließlich auf 40 Dollar. Die Verhandlungen waren nicht ganz einfach, weil sie auf Portugiesisch geführt werden mussten. Aber mit ein paar englischen Brocken dazwischen und der Google Übersetzer-App gelang es dann doch einigermaßen.
Bereits an Bord hatten wir gelernt, dass das Lebensmotto hier und auf der Schwesterinsel Principe „Leve Leve“ lauten würde. Wörtlich übersetzt bedeute „leve“ Leichtigkeit und mit „Leve Leve“ ist gemeint, dass man alles leichtnehmen und vor allem Hektik und Eile vermeiden soll.
Allerdings gilt „Leve Leve“ anscheinend nicht fürs Autofahren, was sich unter anderem daran festmachen ließ, dass die Hupe das wichtigste Teil eines PKWs darstellt.
Interessant war die Aufschrift am Heck des alten Corollas: „Jesus Está Voltando“, zu Deutsch etwa „Jesus kehrt zurück“. Diese Hoffnung gepaart mit seiner Fahrweise könnte durchaus irgendwann dazu führen, dass eine Begegnung von Fahrer und Jesus eher stattfindet, als ihm lieb sein könnte.
Trotz der rasanten Fahrt konnten wir einen guten Eindruck von den Dörfern, den Kakao-Plantagen und der Flora der Insel erhalten.
Unterwegs legte Euclides ein Pause ein und pflückte von einem Kakaobaum eine reife Frucht, knackte sie und zeigte uns die darin befindlichen Kakaobohnen, die wir probieren sollten.
Es schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, die weiße, glitschige Kakaobohne in den Mund zu schieben, das Fruchtfleisch (Fruchtpulpe) irgendwie vom Kern zu lösen und zu verzehren und den Kern dann auszuspucken. Der Geschmack ist nicht schlecht, aber auch nicht gut, vor allem schmeckt das Fruchtfleisch weder nach Kakao, geschweige denn nach Zartbitterschokolade.
Über die blaue Lagune an der Nordspitze der Insel hatten wir gelesen, dass diese Bucht berühmt für ihr türkisblaues Wasser und ein beliebter Badestrand und Schnochelstelle sei.
Dort angekommen, stellten wir fest, dass das Wasser tatsächlich sehr blau war. Allerdings wies ein Schild darauf hin, dass Baden und Fotografieren verboten sei. Da aber ein paar junge Leute dort badeten, hatte ich auch keine Scheu zu fotografieren.
Bei der Lagune befindet sich ein Hügel mit einem Leuchtturm oben drauf. Dort oben befand sich ein Cache, den wir heben wollten. Allerdings war der Aufstieg sehr steil und der schmale Trampelpfad war teilweise steinig mit Geröll, weswegen äußerste Vorsicht geboten war. Doris war so vernünftig und brach die Aktion auf halben Weg ab, während mich der Ehrgeiz gepackt hatte, den Gipfel zu erstürmen. Bergauf war die Sache noch relativ einfach, aber bergab zurück legte ich vorsichtshalber einige Strecken in Sitzhaltung zurück.
Wahrscheinlich hat diese Abstiegstechnik unseren Fahrer dazu bewogen, mir entgegen zu kommen, um mir seine helfende Hand anzubieten. Was ich mir nicht erklären konnte, war die Tatsache, dass er mit seinen Halbschuhen und glatter Sohle einen festeren Halt auf dem rutschigen Geröll hatte, wie ich mit meinen tiefen Profilsohlen.
Wieder glücklich unten angekommen, erstanden wir auch noch einen Magneten. Auch hier hätte der junge Verkäufer lieber 2 Euro von uns erhalten statt 2 Dollar. Erst nachdem er längere Zeit mit Euclides die Problematik ausführlich diskutiert hatte, konnten wir Dollars gegen Magnet eintauschen.
Auch die rasante Rückfahrt zum ca. 15 Kilometer entfernten Hafen hatten wir gut überstanden.
Als es ans Bezahlen ging, war auf einmal wieder die Rede von 50 Euro. Als sich unser Fahrer dann doch noch an die vereinbarten 40 Dollar erinnern konnte, waren unsere Dollarscheine das nächste Problem. Wir konnten nur mit 10- und 5-Dollarnoten dienen. Aus Erfahrung wussten wir, dass es bei großen Scheinen oft Probleme mit dem Wechselgeld gibt. Nun gibt es aber für die Leute auf São Tomé das Problem, die kleinen Scheine auf der Bank in die einheimische Währung umzutauschen. Anscheinend ist die kleinste akzeptierte Note hier der 20-Dollar-Schein. Auf dem Schiff passendes Geld zu holen, wäre keine Alternative gewesen. 20 Minuten zum Schiff tendern, 20 Minuten wieder zurück plus Wartezeiten auf die Tenderbote, das hätte bis zu eineinhalb Stunden dauern können. Es blieb dem armen Euclides nichts anderes übrig, als unsere kleinen Scheine zu nehmen. Wir legten zum Trost noch 5 Dollar Trinkgeld dazu und zusätzlich eine unserer türkisen Phoenix-Taschen.
Wahrscheinlich wird er versucht haben, unsere kleinen Scheine bei anderen Phoenix-Gästen zu wechseln.
92. Reisetag – Dienstag, 14.03.2023 – Principe Island/São Tomé e Principe
Principe liegt nur 88 Seemeilen (ca. 160 Kilometer) nördlich von São Tomé.
Wir verließen gestern um 16 Uhr unseren Ankerplatz, sodass die ARTANIA gemütlich mit halber Kraft bis hierher tuckern konnte, gemäß dem Motto “Leve Leve!“.
Auch hier lagen wir wieder auf Reede und tenderten am Vormittag an Land. In der Landgangsinformation war diesmal in Sachen Taxis zu lesen: „Voraussichtlich nur in Form von Mopeds gegeben (motorbike taxis).“
Da wussten wir also schon im Vorfeld, dass heute der Landgang ausschließlich zu Fuß erfolgen wird.
Wir haben später ein Paar getroffen, die zwei Motorradfahrer gechartert hatten (10€ pro Fahrer) und erzählten, dass die Biker wie die Henker gefahren sind, aber auch echte Könner waren. Diesen Mut hätten wir nicht gehabt. Die Biker in Flipflops und der „Fahrgast“ hinten ohne Helm auf dem Sozius.
Am Ende der Tenderpier hatten wir zwei Möglichkeiten. Nach links wenden, um in den nahegelegenen Ort Santo Antonio zu gelangen oder nach rechts, wo vereinzelte Holzhütten zwischen dem dichten Grün zu sehen waren.
Die Variante links nach Santo Antonio wählten schätzungsweise 98 % der Phoenix-Passagiere, vielleicht sogar noch mehr.
Wir bogen entgegen dem allgemeinen Mainstream nach rechts ab und bekamen hautnah mit, wie die Leute außerhalb des Städtchens Santo Antonio leben.
Die Hauptbeschäftigung scheint der Fischfang zu sein, insbesondere auch die Herstellung von Trockenfisch.
An den verschiedensten Stellen wird der Fisch in der Sonne getrocknet und dadurch haltbar gemacht.
Fasziniert blieben wir lange Zeit an einer Wasserstell stehen, um das Treiben dort zu beobachten.
Von oben aus den Bergen stömte ein Bach über einen Felsvorsprung als Mini-Wasserfalls in ein Wasserloch und floss von dort weiter ins Meer.
Am "Wasserfall" duschte ein junger Mann ausgiebig.
Etwas weiter am Rand des Wasserlochs bürstete eine Frau auf einem Stein ihre Wäsche.
Noch etwas weiter vorn tranchierte eine andere Frau große Fische und nahm sie aus. Auf die Innereien warteten schon geduldig Gänse und Hunde.
Über Gesten fragten wir ob wir fotografieren dürften und die Frauen waren einverstanden.
Genauso hielten wir es auch bei den anderen Personen, die wir ablichteten.
So bewegten wir uns bestimmt knappe zwei Kilometer über Wege und Trampelpfade weiter, trafen auf Menschen, die uns freundlich grüßten, neugierig betrachteten oder auch skeptisch zurückhaltend beäugten.

Wasser war eher die Ausnahme.
Es gab, wie hier im Bild zu sehen ist, eine zentrale Wasserstelle.
Über ein loses im Gelände verlegtes Schlauchsystem
gab es auch in einigen Hütten fließendes Wasser.
Dieser „Ausflug“ hinterließ bei uns tiefe bleibende Eindrücke – Afrika hautnah erlebt!
Wir machten noch einen kurzen Abstecher nach Santa Antonia und kamen in eine ganz andere Welt. Steinhäuser, Geschäfte, Restaurants, Verwaltungsgebäude und eine Kirche.
Vor dem Rathaus gab es sogar freies WLAN.
Total verschwitzt kamen wir nach einer ca. 15-Minütigen Tenderfahrt auf der klimatisierten ARTANIA an und konnten den Schweiß, den Schmutz und die Hitze einfach per Dusche loswerden.
93. Reisetag – Mittwoch, 15.03.2023 – Seetag
Heute war der erste von vier Seetagen. Erst am 19. März werden wir in Banjul, der Hauptstadt von Gambia, ankommen.
Seetage verlaufen für uns ruhig und erholsam. So kann ich heute endlich vom Elefantentausch berichten.
Die Blogleser erinnern sich vielleicht noch, dass wir für den hölzernen Elefanten, den wir von Phoenix geschenkt bekommen hatten, eine dankbare Abnehmerin gefunden hatten, nämlich Anncathrin vom Showensemble. Uns war der Elefant zu schwer und zu groß, um ihn mit nach Hause zu nehmen und ihn dort irgendwo aufzustellen.
Einige Tage später, nachdem der hölzerne Kamerad eine neue Heimat gefunden hatte, fanden wir in unserer Kabine eine wunderschöne Zeichnung ...
... und eine handschriftliche Notiz vor:
Guten Abend!
Ich wollte mich noch einmal herzlich bedanken und dachte mir, ich schenke den Elefanten zurück, nur eben in Federleicht.
Er hat ein wenig länger gedauert, aber ich hoffe, Sie haben Freude damit UND ein Andenken an die Reise, das leichter ist, als der ehemalige Bruder, der nun meine Kabine schmückt.
Vielen Dank! Anncathrin Nowicki
Natürlich haben wir uns gefreut – und wie!
Wir waren richtig gerührt über diese liebe Idee und die wunderschöne Zeichnung. Keine Frage, wir werden sie zu Hause rahmen und sie wird einen passenden Platz bekommen und uns oft an unsere Kreuzfahrt „Rund um Afrika“ und an Anncathrin erinnern.
Infos über Anncathrin als Künstlerin findet man übrigens
- auf Facebook: https://www.facebook.com/anncathrin.nowicki
- und auf der Internetseite: https://www.theapolis.de/de/profil/anncathrin-ariel-nowicki .
94. Reisetag – Donnerstag, 18.03.2023 – Seetag
Neben dem “normalen“ Mittagessen in den Restaurants wurde in der Kopernikus-Bar „Alles Pasta“ angeboten.
Da schauten wir vorbei und stellten fest, dass uns das zusagt. Verschiedene Nudeln, einschließlich Spaghetti und zur Auswahl Tomatensoße, Bolognese, sowie verschiedene Käsesoßen. Das Ganze, ohne weiteren Schnickschnack wie z. B. kleingeschnittenen Oktopus mit in die Soßen zu mengen, eine Methode, die der Küchenchef sehr zu unserem Leidwesen gerne mal anwendet, um den Speisen mehr Pfiff zu verleihen.
Aber heute war alles “nur“ Standard, da nahmen wir doch gerne Platz und ließen es uns schmecken.
95. Reisetag – Freitag, 17.03.2023 – Seetag
Vor einigen Tagen wurde angeboten, im Zuge einer Backstage-Führung in der Atlantik-Show-Lounge einmal etwas hinter die Kulissen zu schauen. Hierzu konnte man sich an der Rezeption anmelden.
Das klang ganz interessant, also meldeten wir uns an, d. h. wir versuchten uns anzumelden, waren aber etwas zu spät. Denn wegen der begrenzten Teilnehmerzahl konnten wir uns nur auf eine Warteliste setzen lassen und hoffen, dass ein weiterer Termin für eine Führung anberaumt wird.
Und tatsächlich, einige Tage später erhielten wir die schriftliche Nachricht auf die Kabine, dass heute um 14:00 Uhr eine Führung stattfinden wird, an der wir teilnehmen können.

Die Bedienung der Bühnentechnik wird heutzutage nur noch von einer Person durchgeführt, wo früher drei Leute notwendig waren, bevor der Computer Einzug gehalten hat. Hier werden Licht und Ton, Einspielmusik, die Bühnenvorhänge, sowie Bilder und Videos via Beamer gesteuert.

Hinter der Bühne befindet sich die Garderobe, der Requisitenfundus und die Schminktische für die Akteure.
Die Führung war recht interessant, denn wir bekamen einen kleinen Einblick, was technisch und organisatorisch so alles für eine Show auf der Bühne in der ARTANIA-Show-Lounge notwendig ist.
96. Reisetag – Samstag, 18.03.2023 – Seetag
Der heutige “Mitarbeiter des Seetags“ ist Antony.
Auf der Weltreise 2019/2020 feierte am 31. Januar Elisabeth, die mit ihrem Clemens aus gesundheitlichen Gründen die jetzige Reise absagen musste, abends im Restaurant ARTANIA ihren Geburtstag. An einem großen runden Tisch tafelten natürlich Elisabeth und Clemens , Anne und Wolfgang Hagenow, eine allein reisende Dame namens Ingrid und unsere Wenigkeit.
Und Antony, damals noch 1. Kellner, bediente uns mit seinem Team absolut first-class-mäßig.
Doris drückte ihr Lob über den perfekten Service nicht nur Antony gegenüber aus, sondern auch beim Maître, dem Chef von Antony.
Antony hatte uns (einschließlich Elisabeth und Clemens) auch schon während der gesamten Reise beim Frühstück bedient, aber jetzt war der Service noch persönlicher.
Auch bei der Weihnachtsreise 2021/2022 war Antony wieder an Bord und da waren wir schon fast so etwas wie gute Bekannte.
Auch auf dieser Reise “Rund um Afrika“ war Antony wieder an Bord. Er war mittlerweile befördert worden, vom 1. Kellner zum Oberkellner. Als Oberkellner hat er die Aufsicht für das Restaurant, wo er gerade Dienst hat, ist verantwortlich, dass der Betrieb ordentlich läuft und ist Ansprechpartner bei Fragen und Problemen.
Das bedeutete, dass er nun Schulterklappen mit eineinhalb Streifen trägt und damit den Rang eines Offiziers inne hat.
Er ist also nun ein echtes "Streifenhörnchen", wie Offiziere gerne ein wenig spöttisch tituliert werden.