11. Reisetag – Freitag, 23.12.2022 – Seetag
Heute war der erste von vier Seetagen oder wie Phoenix es ausdrückt „Urlaub auf See“. Und damit liegt Phoenix ziemlich richtig. Man braucht sich nicht um Ausflüge oder sonstige Unternehmungen an Land kümmern und kann das Bespaßungsangebot an Bord nutzen oder es auch sein lassen, gerade wie man möchte – Urlaub eben.
An solchen Tagen kann ich in Ruhe Fotos sichten, sortieren und die ganz Schlechten löschen. Insbesondere habe ich Zeit, an meinem Blog zu arbeiten. So konnte heute der erste Blogeintrag, in dem die ersten zehn Tage der Reise festgehalten wurden, online gehen.
Da heute mein Geburtstag ist, fand ich nach dem Frühstück auf der Kabine eine Flasche Sekt, die Phoenix spendiert hatte.
Und die Geburtstagsfreuden gingen weiter.
Für diesen Reiseabschnitt wurde ein sogenannter Geburtstagsbonus eingeräumt.
Alle Passagiere, die in den Genuss dieses Bonus gekommen waren, wurden (nebst Begleitung) schriftlich für den Nachmittag zu einem Sektempfang in die Atlantik-Show-Lounge eingeladen. Wir nahmen die Einladung an. Der Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer moderierte auf der Bühne locker, humorvoll und gekonnt diese kleine Veranstaltung. Aber was heißt klein?
Die Lounge war gerammelt voll. Aber ob das wirklich alles Leute mit Geburtstagen gemäß Phoenix-Definition waren? Zumindest einen „Fremdgänger“ hat es gegeben, denn neben mir saß ein Herr und fragte mich, was hier eigentlich veranstaltet würde.
Der Kreuzfahrtdirektor hat uns gegenüber mal geäußert, er hätte mit Leuten kein Problem, die versehentlich oder bewusst “falsch abbiegen“ (wie er es in seiner lockeren Art ausgedrückt hat) und bei quasi geschlossenen Gesellschaften auf- und in der Menge untertauchen.
Auch wir haben damit kein Problem, es sei denn, es sind dieselben Leute, die unsere Lunchboxen stehlen.
Aber kurz zurück zum Geburtstagsempfang. Ein Kellnerchor sang „Happy Birthday“, vier Mitglieder des Showensembles traten gekonnt als „Blues Brothers“ auf und wir erfuhren, dass das Durchschnittsalter der Passagiere auf diesem Reiseabschnitt 71,5 Jahre betragen würde.
Nach 20 Minuten konnten wir, ausreichend geehrt, die Lounge wieder verlassen.
Zu dem doch recht hohen Altersdurchschnitt habe ich mir überlegt, ob in diese Rechnung nicht ganz einfach die Crew mit einbezogen werden könnte. Man kommuniziert dann ganz einfach nicht mehr den "Durchschnitt der Passagiere", sondern allgemein den "Altersdurchschnitt auf der ARTANIA". Dadurch würde die ARTANIA jünger dastehen als z.B. die AIDA-Schiffe.
12. Reisetag – Samstag, 24.12.2022 – Heiligabend auf See
Schon am Vormittag konnte wir durch aufmerksames Studium des Tagesprogramms feststellen, dass Heiligabend war.
So wurde statt wie üblich „Fit in den Tag“ um 9:00 Uhr ein „Fit in den Heiligabend“ angeboten.
Das „Jakkolo!“ (ein Geschicklichkeitsspiel) wurde zum „Weihnachts-Jakkolo!“ und das „Quiz mit Mandy“ wurde zum „Weihnachtsquiz mit Mandy“ aufgewertet,
„Weihnachts-Mandala“, „Weihnachts-Bingo“ und „weihnachtliche Teezeit“ rundeten das Programm bis zum Nachmittag ab.
Bei der weihnachtlichen Teezeit kam es zu einer kleinen Irritation. Unter den Plätzchen, Stollen, Dominosteinen und den Mini-Schoko-Weihnachtsmännern hatte Doris einen Osterhasen entdeckt und diesen sofort fürsorglich in ihre Obhut genommen.
Um 17:00 Uhr kam zwar nicht das Christkind in Harry’s Bar, aber zumindest der Phoenix-Weihnachtsmann mit Gefolge. Er verteilte die Geschenke, die die Schenkenden vorher am Phoenix-Informationsschalter abgeben konnten. Geschenkpapier, Geschenkband und Schere lagen die letzten Tage hierfür bereit.

Ich wollte den leuchtenden Kinderaugen während der Bescherung nicht die Sicht nehmen.
Deshalb sind auf meinem Foto der Wehnachtsmann und seine Helfer nicht so gut zu erkennen.
Seeleute und Kreuzfahrer sind Weihnachten auf Hoher See heutzutage nicht mehr von ihren Lieben zu Hause so abgeschnitten wie früher. Eine der wenigen Möglichkeiten, Weihnachtsgrüße von Deutschland in die Ferne zu schicken, waren Funksprüche über Kurzwelle, etwa über die Funkstation Norddeich Radio. Nicht nur auf den Schiffen, sondern mit jedem handelsüblichen Kurzwellenempfänger konnte man die Funksprüche abhören.
Heutzutage ist es mit WhatsApp und E-Mail sehr viel einfacher und preiswerter (und nicht so öffentlich), Grüße zu versenden oder überhaupt in Kontakt zu bleiben.
Für den Abend wurde ein reichhaltiges weihnachtliches Programm angeboten, einschließlich einer Christmette.
Damit ich hier nicht schreiben und beschreiben muss, was alles geboten wurde, hier der Link zum kompletten Tagesprogramm am Heiligen Abend:
Apropos Tagesprogramm - sämtliche Tagesprogramme werden hier im Blog gesammelt und können bequem unter dem entsprechenden Menüpunkt abgerufen werden.
13. Reisetag – Sonntag, 25.12.2022 – Seetag – 1. Weihnachtsfeiertag
Wir befanden uns seit gestern im Golf von Aden, einer „High Risk Area (HRA), und fuhren deshalb in einem „Internationally Recommended Transit Corridor (IRTC)“. Am Horn von Afrika trieben in den letzten Jahren Piraten ihr Unwesen, kaperten Frachtschiffe und ließen sie gegen hohe Lösegeldzahlungen wieder frei. Deshalb die Einstufung als High Risk Area. Der empfohlene (recommended) Korridor wird besonders überwacht und teils auch militärisch gesichert.
Für 2023 wird die Risikobewertung dieses Fahrgebiets heruntergestuft, sodass die ARTANIA schon jetzt auf gewisse Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren getroffen wurden, verzichtet. So wurden seinerzeit Puppen an der Reling aufgestellt, die den Piraten vorgaukeln sollten, dass rundum auf dem Schiff spezielle Wachen stehen und an Deck lagen Feuerwehrschläuche zur Abwehr enternden Piraten bereit.
Allerdings gehörten Kreuzfahrtschiffe nie zum Beuteschema der Piraten. Wir sind zu schnell, haben zu hohe Bordwände und hunderte Passagiere sind schwerer unter Kontrolle zu halten als 20 Mann Besatzung eines Frachters.
Zum Frühstück im Restaurant Artania werden wir mit leiser Musik aus den Deckenlautsprechern beglückt. Auf Nachfrage stellte sich jedoch zum Glück heraus, dass dies eine einmalige Maßnahme ist und dem Umstand, dass Weihnachten sei, geschuldet.
Im heutigen Tagesprogramm wird eine „Weihnachtliche Teestunde“ mit ausgewählten Kaffeespezialitäten angekündigt. Passend zu diesem verbalen Widerspruch könnten also auch wieder Osterhasen auftauchen.
Da wir uns dieses Ereignis aufgrund einer Kalorienhochrechnung entgehen ließen (zum Abendessen gibt es Gänsebraten), konnten wir die Existenz weiterer Osterhasen nicht verifizieren.
14. Reisetag – Sonntag, 26.12.2022 – Seetag – 2. Weihnachtsfeiertag
Das Schreiben eines Reiseblogs hat mal (2013) damit angefangen, dass ich zum einen die Technik lernen und ausprobieren wollte und vor allem wollte ich ein brauchbares Reisetagebuch haben, auf das wir später bequem zugreifen können. Einige Freunde und Verwandte interessierten sich dafür, somit war genügend „Druck“ vorhanden, die Sache auch durchzuziehen und nicht schleifen oder gar fallen zu lassen. Über Google wurde dann der Blog auch von „Fremden“ entdeckt, von denen mir einige ein positives Feedback gaben. So kam es mit der Zeit zu einer gewissen Eigendynamik, sodass die Blogs mittlerweile von immerhin mehreren hundert Interessierten gelesen werden.
Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, dass in einem Internetforum für Kreuzfahrten in einem Thread (= zusammenhängende Beiträge) vom 20.12.2022 dieser Blog Erwähnung gefunden hat. Das Forum wird von dem Online Reisebüro „ Pooldeck24 – Die Kreuzfahrtexperten“ betrieben (https://forum.pooldeck24.de).
Ich möchte (nicht ganz ohne Stolz) den Teil des Threads hier wiedergeben, in dem es um meinen Blog geht.
Eine Regel dieses Forums verbietet das Einsetzen von Links in den Forenbeiträgen. Ich erwähne das, damit man versteht, warum die Forumsteilnehmer sich ein wenig verbiegen müssen, um zu erklären, wie man den Blog im Netz finden kann.

Der Screenshot vom Anfang des Threads.
Wegen der besseren Lesbarkeit habe ich den Thread nicht als Folge von Screenshots wiedergegeben,
sondern die Beiträge ganz klasisch in reine Textform umgesetzt.
Uschisiggi 20.12.2022 21:04 Uhr: Mich auch. Ich schaue schon immer auf die hp von Phoenix.
Die aktuelle Reise ist ja gleich eine sehr lange, die Umrundung Afrikas.
OK, es gibt da wohl auch Teilreiseabschnitte. Ich weiß nur, dass Peter Hoelzer (den findet man im www als Blogger) auf der Umrundung an Bord ist.
meer(er)leben 20.12.2022 21:10 Uhr: Vielleicht schreibt er ja im Blog unterwegs.
Ob er wohl wieder Dosenwurst dabei hat?
Uschisiggi 20.12.2022 21:11 Uhr: Ja, er schreibt wieder, ich habe den Blog abonniert.
Bluecat 21.12.2022 08:55 Uhr: Das ist ja eine interessante Neuigkeit. Ich hatte neulich mal einen alten Blog gelesen und mich gefragt, ob er wohl bald mal wieder auf Weltreise geht, jetzt, wo es doch möglich ist. Da muss ich heute gleich mal schauen. (Vielleicht wird unterwegs ja auch wieder ein Klapptisch von ihm gekauft, sonst isst es sich so schlecht auf der Kabine zwecks Vermeidung der Galaessen)
Bluecat 21.12.2022 18:48 Uhr: Habe vorhin mal bei Peter Hölzer geschaut, aber noch keine neuen Blogeinträge gefunden.
Nur die ganzen alten Reisen. Hast du vielleicht einen Tipp für mich?
Anke64 21.12.2022 19:04: Wenn du eine alte Reise anklickst, ändere oben mal die Jahreszahl auf 2023. Dann hast du die neue Reise.
Bluecat 21.12.2022 19:12 Uhr: Oh super, ich danke dir vielmals. Ich liebe dieses Forum, man lernt immer wieder dazu!
Da in meinem Blog Links nicht verboten sind, hier der direkte Weg zum erwähnten Thread: https://forum.pooldeck24.de/forum/thread/22479-artania-in-der-werft/?pageNo=1
Das Mysterium der Osterhasen hatte sich bei der heute erneut stattgefundenen „Weihnachtliche Teestunde“ (mit Kaffeespezialitäten) geklärt.
Auf dem weihnachtlich dekorierten Kuchenbuffet wimmelte es von Hasen und zwar von so vielen, dass wir unmöglich alle retten konnten.
Aber der eine, dem wir uns näher widmeten, entpuppte sich nach einer sehr genauen mikroskopischen Untersuchung als Elch. Wenn man nämlich ganz genau hinsah, konnte man ein zart angedeutetes Geweih erkennen.
Somit war die Welt wieder in Ordnung.
15. Reisetag – Dienstag, 27.12.2022 – Salalah/Oman
Für den heutigen Landgang hat sich Doris ordentlich vorbereitet. Im Phoenix-Tagesprogramm gab es die Information, dass am Hafenausgang der öffentliche Bus mit der Nummer 20 halbstündlich ins Stadtzentrum verkehren würde. Doris recherchierte im Internet und entdeckte eine Karte mit den Haltestellen, die genauen Abfahrtszeiten und die Ticketpreise, als da sind 200 Baiza (1 Omanischer Rial = 1000 Baiza), ca. 0,50 € für Kurz- und Mittelstrecke und 300 Baiza (ca. 0,75 €) für die Langstrecke.
Somit sah unser Plan wie folgt aus: Mit dem angekündigten kostenlosen Shuttlebus der Hafenbehörde zum Hafenausgang fahren (Laufen ist im Hafengelände verboten) und von dort mit den Öffis zur ca. 18 Kilometer entfernten Sultan-Qaboos-Moschee und anschließend Realisierung des Konzepts „schau’n wir mal“, denn am Nachmittag sollten die Geschäfte und Basare lange geschlossen sein.
Gleich nach unserem ausgiebigen Frühstück, das zur Stärkung für den bevorstehenden Landgang diente, legte die ARTANIA gegen 10:00 Uhr an der Pier im riesigen Industriehafen von Salalah an.
Der ersten Shuttle zum Hafenausgang war bis auf den letzten Platz besetzt (ca. 20 Personen), wie wir von der Reling aus beobachten konnten. Nach ca. 25 Minuten war er wieder zurück. Auch wir hatten uns mittlerweile unter die Wartenden eingereiht und konnten den Shuttle besteigen. Diesmal war er nicht vollständig besetzt. Allerdings war die Stimmung im Bus etwas getrübt. Auf dem Schiff hatte der Kreuzfahrtdirektor nämlich eine Durchsage gemacht, die zwar akustisch nur teilweise von uns Wartenden an der Pier verstanden werden konnte, aber wir verstanden zumindest so viel, dass die Taxifahrer dafür gesorgt hätten, dass die öffentliche Busse die Haltestelle am Hafenausgang heute nicht anfahren könnten.
Am Hafenausgang wartete eine Dame von der Reiseleitung, um die geshuttleten Ankömmlinge über die Lage an der Bus-Taxi-Front zu informieren. Leider begann sie ihren Vortrag bereits, obwohl 5-6 Leute noch nicht ausgestiegen war (denn das geht bekanntlich nur einer nach dem anderen). Zwei der 5-6 Leute waren wir. Ergo mussten wir die Phoenix-Dame bitten, ihre Infos noch mal an uns weiterzugeben, denn von selbst wäre sie nicht auf diesen Gedanken gekommen. Besagte Dame arbeitet mindestens schon 10 Jahre für Phoenix, wenn nicht sogar noch länger, und sollte eigentlich wissen, wie man informiert. Solche Huddeligeiten zum Nachteil der Gäste ärgern uns nun mal und werden deshalb hier im Blog thematisiert.
Jedenfalls wurde bestätigt, dass die „Taxi-Mafia“ (O-Ton der Reiseleitung) dafür gesorgt hätte, dass die nur wenige Schritte entfernte Bushaltestelle heute nicht angefahren werde und somit verwaist ihr Dasein fristete. Das Taxiangebot sähe wie folgt aus: Eine Fahrt ins Zentrum (knapp 20 Kilometer) und wieder zurück und bei einer Aufenthaltsdauer von zwei Stunden kostet 65 Euro – Fixpreis. Trotzdem solle man ausdrücklich aushandeln, dass dieser Preis pro Wagen und nicht pro Person gelte.
Taxis standen zur Genüge bereit.
Die Reisewilligen verhandelten nicht mit den Taxifahrern selbst, sondern mit einem „Dispatcher“, der auch zusätzlich die Aufgabe hatte, den noch Unentschlossenen das Angebot schmackhaft zu machen. Drei Omanis, die vor einer Kaffeebude saßen und das Geschehen genau beobachteten, schienen wohl die Chefs dieser Taxi-Vermarktungs-GmbH zu sein.
Das 65-Euro-Angebot ist eigentlich OK und wenn man es mit vier Personen durchführt, sind das 16,25€ pro Person. Aber ob sich überhaupt eine Fahrt in die City lohnt, wenn alle Geschäfte geschlossen sind? Eine Fahrt mit einem öffentlichen Bus ist meist reizvoller als eine Taxifahrt. Was uns aber noch mehr von einer Taxifahrt abhielt, war die Tatsache, dass hier mit unlauteren Tricks gearbeitet wurde. Natürlich habe wir Verständnis dafür, dass die Taxis ihr Geschäft machen wollen, aber bitte nicht so.
Gab es tatsächlich das „Verbot“ den Hafen zu Fuß zu verlassen? Wir überlegten, dass das eigentlich nicht sein könne und diese Info ebenfalls von der Taxi-Vermarktungs-GmbH gestreut worden war. Wir gingen also Richtung Tor, wo uns ein Security-Mann freundlich grüßte und keine Anstalten machte, uns den Weg streitig zu machen. Nur der Dispatcher hatte vorher lautstark und verärgert versucht, uns von unserem Vorhaben abzubringen.
Wir hatten nichts Besonderes vor, sondern wollten nur ein paar Schritte laufen und zwar die einzige Straße entlang, die vom Hafenausgang weg führte. Diesen Weg hatten wir schon zweimal bei vergangenen Reisen genommen. Damals war unser Ankunftstag jeweils ein Freitag gewesen, der in den islamischen Ländern unserem Sonntag entspricht und sich damit eine Fahrt in die Stadt ebenfalls nicht angeboten hatte.
Wir kamen, wie damals, an einem kleinen Strand (Oasis Beach) vorbei, der aber jetzt durch ein eisernes Tor abgesperrt war. Hier kam es vor einiger Zeit wegen der starken Unterströmungen zu einem tödlichen Badeunfall, worüber uns der Kreuzfahrtdirektor auf dem Schiff informiert hatte und vom Schwimmen dringend abriet. Von dem eisernen verschlossenen Tor hatten die Phoenixleute bis dato wohl noch nichts gewusst.
Als ein Gebäude mit kleinem Laden, einer Bank und einer Wechselstube in Sicht kam, war uns klar, dass wir diesmal die Straße etwas weiter hoch gelaufen waren, als die Jahre davor, denn dieses kannten wir noch nicht.
Wir nutzen die Gelegenheit und tauschten in der Wechselstube 20€ in omanische Rial zu einem reellen Wechselkurs. Für das Wechseln wollte die Kassiererin unsere Reisepässe sehen. Die lagen allerding im Gewahrsam bei der Phoenix-Rezeption, damit ein omanischer Behördenmann seinen Stempel dort reindrücken konnte. Aber Doris wäre nicht Doris, wenn sie von unseren Pässen keine Farbkopien dabeigehabt hätte. Und die genügten zur Abwicklung des Tauschgeschäfts.
Kurz hinter der Wechselstube standen am Straßenrand Schilder, die nichts Gutes verhießen: „Verbot für Fußgänger“! Ein paar Meter weiter stand ein Wachhäuschen und der darinsitzende Wachmann gestikulierte freundlich und deutlich, dass wir umkehren müssten, was wir auch taten.
Anscheinend bewegten wir uns in einem Bereich, der immer noch zum Hafen gehörte.
Als die Stelle, wo der Shuttlebus zurück zur ARTANIA abfuhr, in unseren Sichtbereich kam, war dieser bereits wieder unterwegs, aber auf unsere Handzeichen hin hielt er auf freier Strecke an und ließ uns einsteigen.
Gerade noch rechzeitig zur Mittagszeit waren wir wieder zurück auf der ARTANIA und wie zur Belohnung unserer vormittäglichen Aktivitäten gab es Currywurst mit Pommes.
Nach dem Mittagessen beobachteten wir zum Zeitvertreib, wie die 15 wartenden Ausflugsbusse nach und nach mit Passagieren bestückt wurden.
Es warteten auch 20 geschlossene Geländewagen für einen 4-stündigen Ausflug (149€). Dieser Art von Ausflügen sind wir gar nicht so abgeneigt, aber als wir gesehen haben, dass jeweils vier Passagiere in einen Wagen verfrachtet wurden – einer als Beifahrer und 3 nebeneinander auf der Rückbank – waren wir froh, nicht gebucht zu haben. Insbesondere der Mittlere auf der Rückbank hatte jeweils die A…-Karte gezogen.
Am Nachmittag gingen wir im Pool schwimmen.

Mit der Ladung von 7 Tanklastwagen wurde die ARTANIA betankt.
Weiter hinten, auf dem Foto nicht zu sehen "lauerten" 3 weitere Spritlaster.
Das Abendprogramm bot eine „Orientalische Nacht“ hinten auf dem Deck an der Phoenix-Bar.
Das dazu passende in den Restaurants angebotene Orientalische Abendessen konnten wir mit Graubrot und gutem rohen Schinken problemlos umschiffen. Zum Glück gibt es im Lido-Restaurant am Buffet immer ein Angebot mit Brot, Wurst und Käse.
Für alle Fälle, wenn das Essen uns überhaupt nicht behagen sollte, haben wir von zu Hause zwei Dosen Wurst als eiserne Reserve mitgebracht.
16. Reisetag – Mittwoch, 28.12.2022 – Seetag
Heute war der letzte Seetag für dieses Jahr. Der nächste Seetag wird erst wieder am 10.1.2023 stattfinden. Diese Art der Routenplanung lässt die Interessen eines Bloggers völlig unberücksichtigt. Wie soll man bei so vielen Landgängen denn in Ruhe bloggen können?
Da am 3.1.2023 die erste Etappe der Afrikareise zu Ende geht, war heute, am letzten Seetag, die letzte Möglichkeit zur Durchführung des allseits beliebten Stadl-Frühschoppens mit Freibier, Weißwurst, gegrilltem Schweinebauch, Leberkäs und Brezen. Und Phoenix nutzte natürlich diese Möglichkeit, denn ein Weglassen hätte Aufstände und eine mögliche Revolution verursacht.
In früheren Blogs hatte ich den Frühschoppen mehr als einmal ausführlich beschrieben und reich bebildert, sodass ich mir das heute schenken wollte. Aber da es eine kleine Neuerung gab, muss ich doch ein paar Worte darüber verlieren.
In der Vergangenheit fand der Frühschoppen von 11 -12 Uhr vormittags statt und gleich anschließend um 12:30 Uhr startete das Mittagessen - aus ernährungsphysiologischer Sicht ein völliger Unsinn.
Diesmal fiel der Frühschoppen gleichzeitig mit den Öffnungszeit des Restaurants zum Mittagessen zusammen (12:30 – 14:00 Uhr), sodass es schon schwieriger war, beide Nahrungsangebote wahrzunehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den Restaurants kein Freibier gab.
Der Frühschoppen fand draußen auf Deck 8 in der Kopernikus-Bar statt. Ein cleverer Kreuzfahrer könnte auf die Idee kommen, nach Bier- und Weißwurstgenuss noch schnell das wenige Schritte entfernte und auf dem gleichen Deck befindlichen Lido-Buffett-Restaurant aufzusuchen. Das wäre zeitlich durchaus machbar gewesen, weil hier die zeitaufwendigen Bedienungsvorgänge durch die Kellner entfielen. Aber statt des Rahmgulaschs, dass auf der Tagesspeisekarte ausgelobt war, gab es im Lido genau das Gleiche, was es auch an den Schmankerl-Ständen in der Kopernikus-Bar gab. Die à la carte Menüs gab es nur im Restaurant Vierjahreszeiten auf Deck 2 (das Restaurant Artania blieb heute Mittag geschlossen).
17. Reisetag – Donnerstag, 29.12.2022 – Muscat/Oman
Ein Mann will nach oben (Eine Episode sehr frei nach Hans Fallada)
Heute mussten wir wegen der verkürzten Frühstückszeiten statt im Restaurant Artania unser Frühstück im Lido einnehmen. Hierzu wollten wir mit dem Aufzug von unserem Deck 4 auf Deck 8 fahren. Auf der Leuchtanzeige der Aufzüge ist zu erkennen, wo diese sich gerade befinden. Zu diesem Zeitpunkt waren beide Aufzüge in den Decks über uns. Vor uns eilte ein Mann auf den Aufzug zu und drückte die Rufknopf für eine Fahrt nach unten. Ich murmelte, dass wir ja nach oben müssen und drückte den Rufknopf für „nach oben“. Jetzt erklärte uns der mitreisende Gast, dass er ebenfalls nach oben wolle, aber da die Aufzüge über uns seien, müsse man sie nach unten rufen. Mein Einspruch, dass man damit die Fahrtrichtung bestimme, wurde als falsch eingeordnet. Als ein Fahrstuhl ankam und im Display über der Tür nun ein Pfeil (Fahrtrichtung) nach unten angezeigt wurde, wagte ich einen neuen Versuch und warnte den Mann, dass er gleich in die falsche Richtung fahren werde. Aber er belehrte mich streng, original mit diesen Worten: “Der Aufzug wird genau dorthin fahren, wohin ich will“, betrat die Kabine, drückte die "8" und fuhr schnurstracks runter auf Deck 2.
Aber nicht das Fahrstuhlfahren, sondern das Tendern sollte etwas problematisch werden. Weil die beiden dicken Schiffe „Mein Schiff 6“ und die „MSC Opera“ bereits im Hafen von Muscat lagen, war für uns dort kein Platz mehr und wir mussten deshalb ankern oder wie der Seemann sagt, wir liegen auf Reede.
Deshalb mussten wir tendern, also mit den Rettungsbooten fahren, um an Land zu kommen. Jedoch herrschte starker Schwell, eine langgezogene Dünung, wodurch das Ein- und Aussteigen in den stark schwankenden Tenderboote nicht ganz ohne ist. Die nautische Leitung des Schiffs war nun am hin und her überlegen, ob das Tendern überhaupt durchgeführt werden sollte oder nicht. Schließlich gab es doch grünes Licht für das Tendern, allerdings mit der Einschränkung bzw. dem Appell, dass Gehbehinderte besser an Bord bleiben sollten.
Da dieser Entscheidungsprozess sich über eine Zeitlang hinzog und dass statt drei oder vier Boote nur zwei eingesetzt wurden, kamen die Zeitpläne für die verschiedenen Ausflüge recht durcheinander.
Da wir keinen Ausflug gebucht hatten, betraf uns das nur indirekt bis überhaupt nicht. Zwar verschob sich auch das Tendern für die „Freigänger“ nach hinten, weil erst die Ausflügler an Land gebracht wurden. Aber bis wir mit Frühstück etc. fertig waren, war die Tender-Rushhour bereits vorbei und wir schipperten in einem nur halbvollen Boot an die Tenderpier.

Gestern gab es im Oman Starkregen, von dem in der Nähe unserer Tenderpier nur noch eine größere Pfütze übrig geblieben war.
Jetzt stellte sich heraus, dass das aufwendige Tendern für uns auch Vorteile hatte. Unsere Tenderpier lag praktisch im Zentrum, während die Piers für die Kreuzfahrtschiffe einen knappen Kilometer weiter entfernt lagen.
Doris hatte für unseren Landgang bereits gestern Abend einen kleinen Spaziergang über ca. 5 Kilometer geplant. Auf diesem Weg lagen eine Handvoll Geocaches, die wir finden wollten.
Diese Route hatte sie, ebenfalls schon am Vorabend, aufs Smartphone gespeichert, sodass wir unterwegs auch ohne Internetverbindung unseren Weg finden konnten ohne uns zu verlaufen.
Die Strecke führt uns auch zum großen Souk, aber der stand zum Teil unter Wasser, sodass wir von einem Besuch Abstand nahmen. Gestern gab es starke Regenfälle im Oman, wie wir aus dem Netz erfahren hatten, sodass sogar die Schulen geschlossen waren. Zwar strahlte heute die Sonne, aber von den Bergen floss wohl noch genügend Wasser, sodass die Kanalisation überfordert war.
Also ließen wir den Souk links liegen, genauer gesagt, rechts liegen, denn wir wanderten westwärts die Corniche, die prachtvollen Uferpromenade, entlang, um irgendwann zum Mutrah Fort abzubiegen, wo wir den ersten Cache fanden.
Der Weg führte uns weiter, zunächst parallel zur Corniche und schließlich auf derselben wieder zurück Richtung Hafen – Gesamtausbeute: 5 Geocaches.
Auf Grund weher Füße verzichteten wir auf die Prüfung, ob der Souk mittlerweile ohne nasse Füße zu bekommen, hätte betreten werden können. Außerdem ist es doch recht abenteuerlich, die Hauptstraße, die zwischen der Corniche und dem Souk verläuft, zu überquere, da Ampeln Mangelware sind, was die Entscheidung gegen einen Souk-Besuch erleichterte.
An der Tenderpier mussten wir eine knappe halbe Stunde warten, bis das Boot kam. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten. Ob des immer noch anhaltenden Schwells schaukelten wir ganz ordentlich durch die Wellen, bis wir nach 15 Minuten Fahrt wieder auf der ARTANIA waren, rechtzeitig zur Kaffeestunde, denn wir waren recht hungrig. Oh Freude, neben den üblichen Kuchen und Gebäck gab es warme Frikadellen, Wiener Würstchen und Lasagne. Durch den verspäteten Start der Vormittagsausflüge konnten diese nicht rechtzeitig zum Mittagessen zurück sein und deshalb hatte die Küchencrew diese Extras herbeigezaubert. Wir schlugen begeistert zu.
Um 19:00 Uhr lichteten wir den Anker mit Ziel Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten.